Eine kleine Kletter-Kunde

Todesmutig... Der Autor in luftiger Höhe!

“Wenn wir uns dann nicht mehr sehen… Behalte mich in guter Erinnerung”, sage ich zu meiner Frau und stapfe los. Schon das Gehen fällt schwerer als sonst. Ich trage eine Art Bergsteiger-Geschirr mit Karabiner-Haken und Seilen. Der Helm auf meinem Kopf ist rot. Eben musste ich ein paar private Fragen beantworten: Ob ich irgendwelche Krankheiten hätte, will der Trainer wissen. Herz-Kreislauf-Beschwerden? Bluthochdruck? Nein, nein, sage ich und ziehe demonstrativ die Gurte an meiner Reinhold-Messner-Kluft straff. Soll bloß keiner denken, ich sei den kommenden Aufgaben nicht gewachsen. Dass ich Rücken habe, verschweige ich deshalb geflissentlich.
“Nee, nee”, sagt der Trainer dann plötzlich. Er meint mich. Alle Blicke sind auf mich gerichtet. “So geht das  nicht.” Mein Geschirr sitzt nicht richtig, ich habe es falsch herum angezogen.
Also alles wieder ausziehen, auf ein Neues. Ich schwitze, obwohl es gar nicht so warm ist.
Meine Tochter senkt den Blick. Wie peinlich. Da kann der ältere Herr noch nicht mal seine Kletter-Tracht richtig anlegen. Warum will der eigenbtlich unbedingt mit? Gibt´s hier nirgendwo Schwarzwälder Kirsch und Latte Macchiato? Dann würd´der nicht klettern…

Eine Gruppe Dürener auf dem Höhenerlebnispfad bei Raffelsbrand. Meine Tochter hat eine Austauschschülerin aus Frankreich zu Gast, wir treffen uns mit einigen anderen Schülerinnen und Eltern in der Eifel.
“Du musst nicht unbedingt mitklettern”, sagt meine Frau, “die Kinder kommen schon klar.”
“Stimmt, Papa”, sagt meine Tochter und schaut rüber zu ihren Freundinnen. Dann lächelt sie mich an. Was für eine Rücksichtnahme. Ha, ich habe das aber durchschaut. Haben sie Angst, dass ich nicht in sieben Metern Höhe auf so einem lächerlichen Balken balancieren kann? Glauben sie, dass ich nicht über diese läppischen Schlaufen zur nächsten Plattform komme? Bitte! Hat nicht Reinhold Messner kürzlich noch einen Achttausender bezwungen? Ohne Atemgerät? Und ist Messner nicht mittlerweile im Pensionsalter?

“Dann mal los”, rufe ich und versuche die ersten Stufen der Strickleiter mit Schwung zu nehmen. Meine Tochter ist schon oben auf der ersten Plattform und sieht zu mir runter. Aber irgendwer muss irgendwas mit dieser Strickleiter gemacht haben. Sie baumelt und baumelt und schlägt – unerhört! – jetzt auch noch gegen den Baumstamm. Der Schlag geht auf direktem Weg in meinen Rücken. Aber bloß nichts anmerken lassen jetzt. Kann sein, dass ich in diesem Moment eine etwas unglückliche Figur abgebe. Ich kann es nicht sehen, aber ich bin sicher: meine Tochter verdreht gerade jetzt ihre Augen… und denkt: Gibt´s hier wirklich nirgendwo Schwarzwälder Kirsch und Latte Macchiato? Sie würde ihr gesamtes Taschengeld dafür geben…

Morgen dann Teil 2 dieser kleinen Kletter-Kunde für Jung-Senioren. Und wie gesagt, dieser Text soll Mut machen, wirklich. Bloß nicht unterkriegen lassen…

Und hier kann man dann sehen, dass es auch geschicktere Kletterer gibt als den Autor. Eine Slide-Show von Claudia Latotzki:

 httpv://www.youtube.com/watch?v=M6fh5D42hrk

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